Peter Maffay – Premiere in Kiel

Peter Maffay und Gästen gelang in der ausverkauften Sparkassen-Arena ein Bilderbuch-Tourstart am 26.02.2020. Anderthalb Jahre haben Maffay und sein Team auf diese Tour hingearbeitet, das hatte der Sänger vorab verraten.

Es herrscht eine besondere Beziehung zwischen Peter Maffay und seinen Fans. Auch beim Start seiner 30.Tour in der Kieler Sparkassen-Arena war es wieder spürbar, dieses Band, das den 70-jährigen nach 50 Jahren auf der Bühne mit jenen verbindet, die er früher auf Konzerten in den Ansagen „Freunde“ nannte. Maffay schafft es, durch freundliche Zugewandtheit die mit gut 8000 Menschen ausverkaufte Halle in Wohnzimmeratmosphäre zu tauen. Sehr geerdet, bodenständig, zuverlässig, präsent wirkt er. Einfach da. Eine Instanz.

Die gigantische Gitarre in der Hallenmitte pulsiert in Rot und Weiß, während Peter Maffay mit markanter Rock’n Roller-Attitüde ihren Steg entlang läuft. Eine originelle, instrumentale Riesenbühne, wie gemacht für Maffay und seine Band. Hallen frontal bespielen kann jeder. Rundum ist näher dran. Die Musiker starten mit gutem, erdigem und handgemachtem Rock ins Konzert. Mit druckvollen Songs. „Jetzt“ und „Morgen“. Mit harten Riffs und rauen Gitarren. Peter Maffay springt dabei über seinen speziellen Laufsteg von einem Ende des Saals zum anderen. Damit wirklich alle Zuschauer im Hallenrund ihn hautnah erleben.

Maffay hatte schon im Vorfeld versprochen, dass es im Gegensatz zu seinen Unplugged-Auftritten vor zwei Jahren diesmal richtig laut wird auf der aktuellen Konzertreise mit 22 Städten. Und er hält sein Versprechen definitiv.

Maffay hat, vielleicht für manchen unerwartet, auf seinem aktuellen Album „Jetzt!“ im Spätwerk noch mal eine Schippe Rock draufgepackt.

Der erste Konzertblock gehört komplett den neuen Songs, satte zehn von den 14 spielen sie. Die Album-Ouvertüre „1000 Wege“ singt Maffay aus dem Off, seine famose Band sickert unter Jubel auf die Bühne, dann joggt auch der Sänger auf dem Hals der großen, gitarrenförmigen Bühne herbei, winkt in die Ränge. Das knackige „Jetzt!“ setzt die erste rockige Duftmarke, beim ebenfalls rockenden, anklagenden „Morgen“ rappt Maffay phasenweise. „Was für eine schöne Kulisse, Leute“ freut er  sich. „Luft und Liebe“ ist Hardrock im Lichtgewitter, Gitarrist Carl Carlton tobt sich hier so richtig aus. Atempause mit „100 000 Stunden“, gleich neuer Druck mit  „das ist gut“ und wiederum Runtertouren mit der Maffay-typischen Powerballade „Größer als wir“, für die Johannes Oerding wie bestellt den religiös gefärbten Text geliefert hat.

Singend schlendert Oerding bald darauf zum nostalgisch geprägten, eingängigen, hymnischen „Für immer jung“ für ein Duett mit Maffay auf die Bühne.

In seinen neuen Texten geht es vornehmlich um gewichtige politische, ökologische und gesellschaftliche Themen. Etwa um Religion wie in „Größer als wir“. Peter Maffay beweist dabei einmal mehr, dass er ein Mann klarer Worte ist. Positioniert sich für eine freiheitliche, bunte Gesellschaft. Rock mit Botschaft.

Alter habe nichts mit Jahren zu tun, sondern mit Haltung. „Wenn man sich das erhält, passiert ein kleines Wunder: Man wird nicht erwachsen.“ Allerdings gebe es ja leider keine Zeitzeugen mehr auf der 30. Tour. „Oh, scheint doch welche zu geben, die ‚Du‘ überstanden haben“, wertet er neckend die ihn freundlich tadelnden Pfiffe. Und es gebe ja schließlich auch noch Quereinsteiger, was wohl mit einer kleinen, grünen Figur zu tun habe.

Der Zweite Konzertblock gehört den Klassikern, wie „zwei in einem Boot“ oder „Dafür dank ich dir“, geschrieben und am Klavier begleitet von Bertram Engel, der ansonsten am Schlagzeug zu finden ist. Natürlich aber auch „Tiefer“, bei dem der Komponist „Jean-Jaques Kravetz“ persönlich seinen Sohn Pascal an den Tasten ersetzt.

Bei „Steppenwolf“ gibt es die nächste Überraschung, denn Frank Dietz betritt unter tosendem Beifall die Bühne, wie tief liegen bei jedem Fan die Erinnerungen an dessen Zeit.

Auch weitere Gäste wie Steffi Stephan am Bass und Tony Carey am E-Piano sowie Eddie Taylor am Saxophon runden die guten alten Zeiten mit ihrem Mitwirken ab. „Die sieben Brücken werden im Gedenken an Herbert Dreilich in einem Duett mit Oerding zelebriert.

Auf den zahlreichen im Rund über der Bühne angeordneten Screens, bebildert von Maffay auf dem Motorrad, eine endlose Straße entlang brausend. Mehr Freiheit geht kaum. Zumindest nicht in den Augen von echten Bikern. Amüsant: mal werden hier auch 70er Jahre Bravo-Cover von Maffay im Kornfeld oder mit knallroten Plateau-Schuhen und Ausschnitte aus alten Musikvideos gezeigt. Die ZDF-Hitparade lässt grüßen.

Ein mit Hits gespicktes Medley setzt dem zweieinhalbstündigen Konzert die Kirsche auf. Mit plakativer Inbrunst schmettert Maffay den alten Schlager „du“, bei „und es war Sommer“ begleitet die Menge Diez‘ markante Gitarrennoten lautstark mit „piu, piu, piu“. Es folgt „Samstag Abend in unserer Straße“ „So bist du“ und natürlich auch „Eiszeit“, das von Vater und Sohn Kravetz gemeinsam an den Tasten begleitet wurde. Es folgte „ich wollte nie erwachsen sein“ und das rockige Finale „Sonne in der Nacht“.

Setlist:

1000 Wege // Jetzt // Morgen // Luft und Liebe // 100 000 Stunden // Größer als wir // Das ist gut // Alles von mir // Kopf hoch // Für immer jung // Zwei in einem Boot // Steppenwolf // Auf dem Weg zu mir // Hbf-Blues // Alter Mann // Spiel um deine Seele // Karneval der Nacht // Tiefer // Dafür dank ich dir // Hoch und höher // Sieben Brücken // Du // Samstag abend // So bist Du // Eiszeit // Es war Sommer // Ich wollte nie erwachsen sein // Sonne in der Nacht

 

Text und Fotos: Alexandra Kersten-Spengler