Nacht Der Helden – Festungs Open Air 2019

Nacht Der Helden – Festungs Open Air 2019

„Unter Freunden“ – unter diesem (inoffiziellen) Motto trafen sich am 24.08.2019 die fünf Bands Heldmaschine, Joachim Witt, Unzucht, Tanzwut und Maerzfeld sowie über 1000 Fans auf der Festung Ehrenbreitstein in Koblenz zum Nacht der Helden Open Air. Bereits mit der Winter-Tour zur Nacht der Helden haben die Gastgeber Heldmaschine einen sehr guten Eindruck auf die Fans hinterlassen. Da kann man dann auch eine Schippe drauf legen und ein Heimspiel nahezu im Großformat veranstalten: und wo ginge dies besser als hoch oben über dem Rhein auf der Festung Ehrenbreitstein (abgesehen vom Deutschen Eck, aber da kommt die NDH bestimmt auch noch hin)?

Koblenz jedenfalls zeigte sich von seiner schönsten Seite: strahlend blauer Himmel, keine Wolke vor der Sonne und Temperaturen knapp unter 30°C begrüßten die Gäste an diesem Samstag. Genau richtig, um vor dem großen Abend ein bisschen Sightseeing zu wagen. Schließlich war der Einlass erst ab 18 Uhr geplant, da man vorher Eintritt für die Festung bezahlen muss. Allerdings zeigten die vielen schwarzgewandeten und in diversen Fanshirts gekleideten Menschen auf dem Festungsgelände vor der Einlasszeit, dass der Eintritt nicht wirklich abschreckend war. Merch und weitere Stände waren außerhalb des Bühnenbereichs, so dass man sich hier auch schon mal richtig einkleiden konnte.

Pünktlich wurde dann die Absperrung geöffnet und der Einlass begann schnell, routiniert und überaus freundlich. An dieser Stelle auch schon mal ein dickes Lob an die Security, Belegschaft etc.: aller freundlich und kompetent, so dass man sich direkt wohl fühlte. Die ersten Fans stürmten direkt nach vorne, die anderen deckten sich mit Getränken ein (in Gläsern! Und Glasflaschen!) und suchten sich etwas langsamer einen netten Platz auf dem großzügigen Bereich vor der Bühne. Da dieser Bereich in Richtung Bühne etwas abschüssig war, konnte man eigentlich von überall aus gut über die Köpfe der Vorderleute drüber schauen.

Um 18:30 Uhr ging es dann auch direkt los. Maerzfeld eröffneten dieses besondere Ereignis themengerecht mit sauberen NDH-Klängen. Ein bisschen hofft man ja immer, irgendwann eine Kooperation zwischen Stahlzeit und Völkerball erleben zu dürfen, aber die Jungs erst mal mit ihren eigenen Songs als Gast bei der Heldmaschine sehen zu dürfen reicht ja auch erst mal. Als Opener machten sie einen mehr als guten Job (die Spielzeiten der Bands waren eh alle ähnlich lang) und Heli hatte das Publikum sehr gut im Griff. Da die Jungs im Herbst ihr neues Album „Zorn“ auf den Markt werfen („wird gerade gemastert. D.h. das Album ist scheiße, geht dann zum Mastern und ist anschließend super geil“), durfte auch ein neuer Song in der Set-List nicht fehlen. Und so dröhnte „Menschling“ durch die Festung und machte so richtig Bock auf das neue Album.

Wer sich vorab das Line-Up angesehen hatte wusste bereits, dass es musikalisch abwechslungsreich würde: und so stürmten als nächstes Tanzwut die Bühne. Die Mittelalter-Rocker sind weithin bekannt für ihre grandiose Show, der Interaktion miteinander und vor allem mit dem Publikum und ihren, dem Bandnamen entsprechenden, tanzbaren Sound. Wäre die Stimmung nicht von Beginn an auf einem Höhepunkt gewesen, wäre sie es spätestens nun. Bereits im Juni hatte Tanzwut ihr neues Album veröffentlicht, so dass man genügend Zeit hatte nicht nur die Songkenntnisse der älteren Songs aufzufrischen, sondern auch die neuen zu lernen. Und so konnte man eigentlich alles auch lauthals mitsingen. Wenn man nicht zu sehr mit Tanzen beschäftigt war. Oder zu sehr vom Teufel in den Bann gezogen wurde. Oder vom Zwilling … oder den anderen … ergo: eine rundum gelungene Show.

Nach NDH und Mittelalter-Rock wurde es Zeit für ein weiteres Genre: die Dark-Rocker von Unzucht wollten ran. Zu dieser Band muss man eigentlich auch gar nicht viel schreiben. Die Shows sind immer toll (was man mehrfach bei jeder einzelnen Band des Abends schreiben könnte). Wie schon zuvor Tanzwut suchte auch die Unzucht Kontakt zum Publikum. Schulle ging eigentlich nie in den hinteren Bereich der Bühne. Nicht mal in die Mitte. Die komplette Show über war er vorne, so nah am Publikum, wie der Bühnenrand erlaubte, sprach seine Fans regelrecht direkt an, mit Gestik und Mimik, und animierte die ersten Reihen so ständig zum Mitmachen. Warum nur die ersten Reihen? Nun ja, die Lichtgestaltung war nicht unbedingt die optimalste. Der vordere Bereich der Bühne war überhaupt nicht ausgeleuchtet und demnach stand Schulle eigentlich die gesamte Zeit im Dunkeln. Von weiter hinten war er maximal als Schemen zu erkennen, seine Nähe zum Publikum nur zu erahnen. Was sehr Schade war, dann ein großer Pluspunkt dieser Band (neben Musik, Songs etc) ist die Sympathie, die die Jungs ausstrahlen. Da aber eigentlich nur das Schlagzeug beleuchtet war (auch etwas, dass man in der Konzert-Berichterstattung nicht all zu oft schreibt), konnte man die anderen nicht wirklich gut erkennen. Die Show war natürlich trotzdem genial, schließlich punktet die Unzucht ja auch noch mit ihren Songs.

Dass das mit dem Licht auch anderes geht, konnte man anschließend bewundern. Wobei man hier gar nicht so genau wusste, was man mehr bewundern sollte: die Lichtsetzung, die Songs, die Band oder den Meister an sich. Niemand geringeres als Joachim Witt betrat die Bühne. Als Berichterstatter weiß man gar nicht so genau, was man zu Joachim Witt schreiben soll. In seiner unglaublich langen, unglaublich erfolgreichen Karriere wurde alles schon geschrieben, mehrfach, in verschiedenen Ausführungen. Mal positiv, mal negativ. Er polarisiert, keine Frage, aber er kann es sich erlauben. Erstens, weil er länger im Geschäft ist, als sich viele erträumen können. Zweitens, weil er zurecht solange im Geschäft ist. Drittens, weil er authentisch ist, zu sich selbst und seinen Werken steht, unkonstruktive Kritik mit einem Achselzucken abtun kann und schlicht und einfach ein bewundernswerter Mensch ist. Die Hits der 80er wie das unvergessene und immer noch beeindruckende „Die Flut“ oder die neuen Meisterwerke wie „Rübezahl“ und „Dämon“ finden ihren Platz in seiner Set-List und werden gefeiert. Da darf ein Joachim Witt sich auch selbst feiern, er hat es sich verdient. Und wenn ein Joachim Witt sagt, dass er eigentlich keine Band bräuchte, dann ist das auch so. Den Beweis lieferte er schließlich prompt, indem er „Der goldene Reiter“ anstimmte, was vom Publikum direkt aufgenommen wurde. Wie Rene Anlauff zur Ankündigung sagte, der heimliche Headliner des Abends.

Der eigentliche Headliner folgte aber erst anschließend: blaues Licht hüllte die Bühne ein bevor die Musiker in Masken diese betraten, sich aufreihten – und das Gewitter beginnen ließen, während Rene unter Jubel auf die Bühne kam. Heldmaschine ist eine faszinierende Band. Hervorgegangen aus Völkerball, nahm Heldmaschine schnell Fahrt auf, gewann einen Fan nach dem anderen und blieb dabei einfach unglaublich sympathisch. Wenn dann auf Konzerten noch so eine wahnsinnig geniale Lichtshow dazu kommt, Rene seine ganzen Gimmicks auspackt und alle Jungs gemeinsam ein mega Set hinlegen, dann wundert man sich gar nicht mehr über den stetig steigenden Erfolg der Band. Schockverlieben kann man sich schließlich, wenn man die ehrliche Freude über Fan-Club-Überraschungen sieht (wobei es schon faszinierend war, dass Rene trotz der regelrecht fassungslosen Überraschung noch in der Lage war, zu singen). Es ist dieser Band einfach zu wünschen, dass sie immer weiter machen kann, dass sie einfach sie selbst bleiben kann. Und dass sie uns weiterhin mit dieser tollen Konzert-Tour beglücken. Und die neuen Songs wie „Ich, Ich, Ich“ oder auch „Leck mich fett“ zeigen: Heldmaschine bleibt Heldmaschine.

Nicht nur die einzelnen Bands haben auf ganzer Linie beeindruckt (bei dem Line-Up auch kein Wunder). Die gesamte Veranstaltung war einfach genial. Diese Bühne, auf diesem Gelände, bei diesem Wetter, mit diesem Wetter – „Unter Freunden“ und noch viel mehr, ein neues Familientreffen für die Szene, das unbedingt wiederholt werden muss. Und zwar am 22.08.2020 mit – haltet euch fest – Nachtblut, Megaherz und Lord of the Lost zu Gast bei der Heldmaschine. Tickets frühzeitig sichern!!

 

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